aromicon-Autor jana Dieser Artikel wurde von jana geschrieben.

Gault Millau – Das Ende und der Beginn einer neuen Ära

10. August 2009

GM_DW_2009Zu Beginn des Monats Juli 2009 stand der eigentlich sonst sehr renommierte Weinführer von Gault Millau in deutlicher Kritik. 14 deutsche Winzer hatten ihm die Zusammenarbeit in einem Offenen Brief gekündigt. Gault Millau hatte zuvor ein neues Finanzierungskonzept zu seinem Weinführer vorgestellt, das künftig auch die Winzer mit einem freiwilligen Betrag von 195 € einbezieht. Die Winzer, die den Offenen Brief unterschrieben, weigerten sich, diesen freiwilligen Unkostenbeitrag für die Verkostung und Bewertung ihrer Weine zu zahlen, da sie darin eine Gefahr für die Unabhängigkeit des Weinführers sahen. Es gleiche einer Bestechung, so die Weingüter, wenn sie sich ihre Beurteilungen erkaufen müssten.

Die Mehrzahl der 900 angeschriebenen Winzer sah das jedoch anders und nahm das Angebot von Gault Millau an, die im Gegenzug zwei Freiexemplare ihrer neusten Ausgabe, ein Gault Millau Türschild und einen entsprechenden Aufkleber zur Verfügung stellen. Zudem sind die Winzer damit berechtigt, mit ihrer Bewertung zu werben.

Gault Millau rechtfertigte sein neues Finanzierungskonzept mit der Begründung, den Weinführer als Marketingprodukt für beide Seiten gleichermaßen attraktiv halten zu wollen. Ohne diesen Schritt sei der WeinGuide wirtschaftlich nicht haltbar. Gleichzeitig wurde in einem Offenen Antwortschreiben betont, dass die Bewertungen völlig unabhängig vom Kauf des Marketing-Pakets seien.

Dennoch konnten die Wogen nicht geglättet werden und schließlich passierte das Unvorstellbare: Chefredakteur und Herausgeber Armin Diel verließ den Gault Millau. Viele hatten bei ihm einen Interessenskonflikt zwischen seiner Arbeit als Winzer und gleichzeitiger Beschäftigung als Weinjournalist gesehen. Das hatte zu zahlreichen Beschuldigungen gegenüber Diel geführt. Als er auch persönlich attackiert wurde, entschloss sich Diel zu dem weitreichenden Schritt. Damit hat der Weinführer sein jahrelang prägendes Element verloren und steht nun vor der schwierigen Aufgabe, sich neu zu formieren. Das Steuer soll dabei Joel Payne übernehmen, der neu ernannte Chefredakteur des Gault Millau. Dieser nahm sich den entstandenen Problemen bereits an und setzte sich mit einem Vertreter des Christian Verlages, der den Gault-Millau WeinGuide in Deutschland verlegt, und mit Richard Löwenstein als Vertreter der Unterzeichner des Offenen Briefes an einen Tisch. Man einigte sich auf eine umfassende Transparenz innerhalb der Verkostungen und der Vergabe der Trauben, dem Qualitätssiegel des Gault-Millau WeinGuides für Winzer.

Damit ist der Streit des Weinführers mit den Winzern nun zumindest in seinen Grundzügen beigelegt, auch wenn noch weitere Gespräche folgen sollen. Man darf also auf die Ära eines neu überarbeiteten Gault Millau gespannt sein.

Internetpräzens des Gault-Millau WeinGuides

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